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Kalkulation

Landed-Cost-Rechner

Alle Kostenpositionen einer Import-Sendung: Einkauf, Fracht, Versicherung, Zoll, EUSt und Nebenkosten — zusammengefasst als Landed Cost pro Einheit.

Auf den Punkt

Landed Cost ist die Summe aller Kosten, die anfallen, bis die Ware im eigenen Lager ankommt — Wareneinkauf, internationale Fracht, Versicherung, Einfuhrzoll, Beförderung im Inland und Nebenkosten wie Speditionsgebühren oder Akkreditiv-Provisionen. Die Einfuhrumsatzsteuer ist bei vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen kein Bestandteil der Landed Cost. Die Landed Cost je Stück ist die ehrliche Vergleichsbasis zwischen einem chinesischen FOB-Preis und einem deutschen Großhandelspreis.

Verzollung, Spedition, THC, Demurrage, Lager etc.

Ergebnis

Landed Cost gesamt

– €

Landed Cost pro Stück

– €

Was ist Landed-Cost?

Die Landed Cost (auch True Cost of Import) bezeichnet die Vollkosten einer importierten Sendung bis zum tatsächlichen Lagerort des Importeurs. Sie umfasst sechs Kategorien: (1) Warenkosten — Rechnungswert ab Werk inkl. Verpackung; (2) Logistikkosten — internationale Fracht, Versicherung, Umladung, Terminalgebühren; (3) Abgaben — Einfuhrzoll, ggf. Antidumpingzoll, Verbrauchsteuern; (4) Inlandstransport — Vorlauf vom EU-Eingang bis zum Lager; (5) Nebenkosten — Zollabwicklung, Verzollerentgelt, Akkreditiv-Provisionen, Inspektionskosten; (6) Finanzierungskosten — Anzahlung, Zwischenfinanzierung, Wechselkursdifferenz. Die EUSt zählt für vorsteuerberechtigte Unternehmer nicht zur Landed Cost, da sie als Vorsteuer voll erstattet wird.

Wann brauchen Sie dieses Tool?

Eine Landed-Cost-Kalkulation ist die Grundlage jeder seriösen Import-Entscheidung. Sie brauchen den Rechner: vor jeder größeren Bestellung im Drittland zur Erstellung eines vergleichbaren Stückpreises; bei der Auswahl zwischen mehreren Lieferanten in unterschiedlichen Ländern (China FOB vs. Türkei EXW vs. EU-Lieferant ab Werk); zur Festlegung des Mindestverkaufspreises in Deutschland inkl. gewünschter Marge; bei der Entscheidung Container-Direkteinkauf vs. LCL-Sammelladung; in der jährlichen Lieferantenbewertung (Soll-Ist-Vergleich der vereinbarten All-in-Preise) und beim Antrag auf Importfinanzierung, wenn die Bank eine vollständige Kostenkalkulation verlangt.

So funktioniert die Berechnung

Landed Cost = Wareneinkauf + Fracht + Versicherung + Zoll + EUSt (nicht abzugsfähig) + sonstige Nebenkosten

Wenn die EUSt als Vorsteuer abzugsfähig ist, sollte sie bei der Kalkulation der Stückkosten nicht eingerechnet werden, da sie zurückgeholt wird.

Schritt für Schritt

  1. 1

    Warenwert ab Werk erfassen

    Beginnen Sie mit dem Rechnungswert nach Incoterm (EXW oder FOB liefern den Anfangspunkt). Bei Stückkalkulation: Rechnungswert ÷ Stückzahl = Warenkosten/Stück.

  2. 2

    Internationale Fracht und Versicherung addieren

    Bei FOB/EXW: Seefracht, Luftfracht oder LKW-Tarif bis zur EU-Außengrenze. Versicherung typischerweise 0,2–0,4 % des CIF-Wertes. Bei CIF/CFR: bereits enthalten, nur Inlandsabschnitt zusätzlich.

  3. 3

    Zoll und ggf. Antidumpingzoll berechnen

    Zoll = Zollwert × Zollsatz lt. EZT-Online. Prüfen Sie Antidumping, Ausgleichszölle und Kontingente. Ohne Präferenznachweis gilt der Drittlandssatz.

  4. 4

    Inlandstransport, Umschlag, Lagerung erfassen

    Vorlauf vom EU-Hafen / Flughafen / Grenze zum eigenen Lager. THC (Terminal Handling Charge), ggf. Demurrage bei verzögerter Abholung, LKW-Hauptlauf, Entladung.

  5. 5

    Nebenkosten ergänzen

    Zollabwicklung (typisch 35–80 € pro Sendung), ATLAS-Anmeldung, Inspektionskosten (TIC, BV, SGS), Akkreditiv-Provisionen (0,15–0,3 %), Bankgebühren, SWIFT, Wechselkurs-Spread.

  6. 6

    Finanzierungskosten kalkulieren

    Wenn Ware vor Verkauf bezahlt wird: Zinsen für Vorfinanzierungszeitraum (typisch 60–120 Tage). Bei Kontokorrent 7–11 % p. a., bei Importfinanzierung 4–7 % p. a.

  7. 7

    Stückkosten und Verkaufspreis ableiten

    Gesamte Landed Cost ÷ verkaufsfähige Stückzahl (nach Stichproben-Ausschuss) = Landed Cost / Stück. Daraus mit Aufschlag (z. B. Mark-up 35–50 %) ergibt sich der Mindestverkaufspreis.

Beispielrechnungen

1.000 Stück Edelstahl-Werkzeuge aus China (FOB)

Warenwert FOB Ningbo (1.000 Stück) 12.500,00 €
Seefracht 1 CBM 1.450,00 €
Versicherung 0,3 % 42,00 €
Zoll 2,7 % auf Zollwert 376,00 €
Inlandstransport HH → München 480,00 €
Zollabwicklung + Hafengebühren 160,00 €

Rechnung: 12.500 + 1.450 + 42 + 376 + 480 + 160 = 15.008 €. Pro Stück: 15.008 / 1.000 = 15,01 €

Landed Cost: 15.008 € gesamt — 15,01 €/Stück

Luftfracht-Express aus USA, 50 kg Elektronik

Warenwert FCA Newark 8.400,00 €
Luftfracht 50 kg × 4,80 € 240,00 €
Kraftstoffzuschlag 25 % 60,00 €
Zoll 0 % (HS 8541) 0,00 €
Zollabwicklung + Flughafenhandling 95,00 €
Express-Kurier ans Lager 45,00 €

Rechnung: 8.400 + 240 + 60 + 0 + 95 + 45 = 8.840 €

Landed Cost: 8.840,00 €

Häufige Fehler

EUSt in die Stückkalkulation gerechnet

Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmer holen die EUSt vollständig zurück. Sie ist nur ein Liquiditätsposten, kein Bestandteil der Vollkosten. Wer sie einrechnet, überhöht den Verkaufspreis um 19 % — und verliert Wettbewerbsfähigkeit.

Ausschuss und Stichprobenverluste vergessen

Bei Importen aus Fernost liegt der typische Ausschuss zwischen 2 % und 8 %. Wer die volle Stückzahl als verkaufsfähig kalkuliert, unterschätzt die Stückkosten. Empfehlung: verkaufsfähige Stückzahl = bestellte Menge × (1 − Ausschussquote).

Finanzierungskosten nicht angesetzt

Zwischen Anzahlung an Lieferant und Verkauf an Endkunden vergehen häufig 90–150 Tage. Diese Zeit bindet Kapital. Bei 100.000 € Warenwert und 8 % p. a. Kontokorrent sind das schon 1.967 € reine Finanzierungskosten — ein klar zollwertfremder, aber kalkulationsrelevanter Posten.

Wechselkursdifferenz ignoriert

Wenn die Rechnung in USD/CNY ausgestellt ist und Sie EUR verkaufen, ist der Wechselkurs zum Bestelltag ein kalkulatorischer Wert. Die tatsächliche Abrechnung 60 Tage später kann 1–3 % abweichen. In der Kalkulation einen Sicherheitsaufschlag von 1,5 % einplanen.

Demurrage und Detention unterschätzt

Ab Tag 6–8 nach Containerentladung fallen Standgelder von 50–200 €/Tag an. Ein hängendes Zollverfahren oder fehlende Importunterlagen können die Landed Cost um Hunderte Euro erhöhen.

Rechtliche Grundlagen

  • UZK — Art. 70 — Zollwert (Grundlage für Zoll)

    Festlegung des Zollwerts als Teil der Landed Cost.

    Quelle ansehen ↗
  • IHK München — Leitfaden Importkalkulation

    Praxisleitfaden zur Kalkulation von Importen.

    Quelle ansehen ↗
  • HGB — § 255 Abs. 1 — Anschaffungskosten

    Bilanzielle Erfassung der Landed Cost als Anschaffungskosten.

    Quelle ansehen ↗

Wichtige Begriffe

Häufige Fragen

Gehört die Einfuhrumsatzsteuer in die Landed Cost?

Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen: Nein. Die EUSt wird über die USt-Voranmeldung vollständig erstattet und ist daher kein Vollkostenposten, sondern nur ein Liquiditätsfaktor. Für Privatpersonen oder Kleinunternehmer (§ 19 UStG): Ja, hier ist die EUSt endgültige Belastung.

Wie hoch ist eine typische Landed-Cost-Aufschlagsquote auf den FOB-Preis?

Faustregel für FCL-Seefracht China → Deutschland: FOB-Preis × 1,15 bis × 1,30. Bei kleinem CBM oder Luftfracht kann der Aufschlag deutlich höher ausfallen. LCL-Sendungen unter 2 CBM rechnen sich kaum.

Wo wird die Landed Cost bilanziell verbucht?

Nach § 255 HGB als Anschaffungskosten der Vorräte. Aufwendungen, die im engen Zusammenhang mit der Anschaffung stehen und einzeln zuordenbar sind (Fracht, Zoll, Bezugsnebenkosten), gehören zwingend dazu. Finanzierungs- und Verwaltungskosten gelten nicht als Anschaffungsnebenkosten.

Lohnen sich Quellen-Audits zur Landed-Cost-Senkung?

Ja, in fast allen Fällen. Typische Hebel: alternative Vorlaufstrecken zum Ursprungshafen, andere Reedereiverträge, FCL statt LCL ab ~12 CBM, Buchung im Vorlauf vs. Spotmarkt, Aushandlung BAF-fixed mit der Spedition.

Wie verhalten sich Landed Cost und Verkaufspreis?

Verkaufspreis = Landed Cost / Stück × (1 + Bruttomarge). Bei 15 € Landed Cost und 40 % Marge: 15 / 0,60 = 25 €. Achtung: 40 % Aufschlag (Markup) ergeben nur 28,6 % Marge — der Unterschied wird im Aufschlag-Rechner erläutert.

Sollte Schadensreserve in der Landed Cost stehen?

Ja, als kalkulatorischer Risikoaufschlag von 0,5–2 % je nach Lieferanten-Track-Record. Bilanziell wird er erst beim tatsächlichen Schadensfall erfasst, in der Kalkulation aber als realistische Vollkostenposition.

Wie gehe ich mit drei Währungen in der Landed-Cost-Kalkulation um?

Eine typische Import-Kalkulation enthält mehrere Währungen: Rechnung des Lieferanten in CNY, internationale Fracht in USD, Zollabgaben in EUR. Diese „Three-Currency Landed Cost" ändert sich mit jeder Wechselkursbewegung. Empfehlung: Modellieren Sie die Landed Cost in Ihrer Berichtswährung EUR mit dem Termin-Kurs (Forward Rate) zum erwarteten Zahlungsdatum — nicht mit dem heutigen Spot. Bei volatilen Währungen Sicherheitsaufschlag 1,5–3 % einplanen oder Devisenforward-Geschäft vereinbaren.

Welche Kosten-Aufteilungsmethode (Allokation) verwende ich bei Mischsendungen?

Wenn mehrere Produkte in einer Sendung sind, müssen geteilte Kosten (Fracht, Versicherung, Zollabwicklung) auf die Einzelpositionen verteilt werden. Standardmethoden: (1) wertbasiert — Verteilung nach Rechnungspreisanteilen (gerecht bei wertvollen Waren); (2) gewichtsbasiert — bei massengetriebener Fracht; (3) volumenbasiert — bei sperriger Ware; (4) stückzahlbasiert — bei homogenen Waren. Wichtig: methodische Konsistenz im Geschäftsjahr und Dokumentation für Außenprüfung.

Stand: 18. Mai 2026 · Redaktion aussenhandelshub.de

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