Logistik
Incoterms 2020 Kostenverteilung
Visualisierung der Kosten- und Risikoaufteilung zwischen Verkäufer und Käufer für alle 11 Incoterms 2020 (EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP, FAS, FOB, CFR, CIF).
Auf den Punkt
Incoterms 2020 sind 11 von der Internationalen Handelskammer (ICC) festgelegte Klauseln, die international die Pflichten von Verkäufer und Käufer in Bezug auf Lieferung, Kosten- und Risikoübergang regeln. Die wichtigsten Klauseln im EU-Außenhandel: EXW (Käufer macht alles), FCA / FOB (Verkäufer übergibt am Versandort), CIF / CFR (Verkäufer trägt Hauptlauf-Kosten, aber nicht das Risiko), DAP / DPU / DDP (Verkäufer trägt Kosten und Risiko bis zum Bestimmungsort, bei DDP zusätzlich Importzoll und EUSt).
| Kostenposition | Verkäufer | Käufer |
|---|
Gefahrübergang:
Was ist Incoterms 2020 Kostenverteilung?
Die Incoterms® (International Commercial Terms) sind ein 1936 von der ICC eingeführtes und zuletzt 2020 überarbeitetes Standardklauselwerk, das in elf dreibuchstabigen Codes die Kosten- und Risikoaufteilung sowie die Liefer- und Mitwirkungspflichten zwischen Verkäufer und Käufer beschreibt. Sie regeln vier Hauptpunkte: (1) Wer organisiert Hauptlauf-Beförderung und Versicherung? (2) Wo geht das Risiko über? (3) Wer trägt welche Kostenposten? (4) Wer übernimmt die Zollformalitäten beim Export und Import? Incoterms regeln NICHT: Eigentumsübergang, Zahlungsmodalitäten, Gewährleistungsansprüche, anwendbares Recht — diese müssen im Kaufvertrag separat geregelt werden.
Wann brauchen Sie dieses Tool?
Sie benötigen den Incoterms-Rechner immer dann, wenn Sie Außenhandelsverträge gestalten oder Angebote kalkulieren. Konkrete Anwendungen: vor Vertragsabschluss prüfen, welche Kosten Sie als Verkäufer ab Werk bis Lieferort tragen müssen; als Käufer den Preisunterschied zwischen FOB-Angebot und CIF-Angebot des chinesischen Lieferanten in eine Landed-Cost-Vergleichsbasis übersetzen; vor der Wahl zwischen DAP und DDP die Auswirkungen auf Steuerregistrierung im Bestimmungsland prüfen (DDP erfordert oft eine USt-Registrierung); bei Schadensfällen identifizieren, wer das Versicherungsrisiko zum Schadenszeitpunkt trug.
So funktioniert die Berechnung
Die Incoterms 2020 regeln die Aufteilung von Pflichten, Kosten und Risiken zwischen Verkäufer (V) und Käufer (K) im internationalen Handel.
Wählen Sie eine Klausel, um die Verantwortlichkeiten entlang der Lieferkette zu sehen — von der Verpackung im Werk bis zur Zustellung am Bestimmungsort.
Schritt für Schritt
- 1
Transportart wählen
Sieben Klauseln (EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP) sind verkehrsträger-unabhängig. Vier Klauseln (FAS, FOB, CFR, CIF) gelten nur für See- und Binnenschifffahrt. Für Containerverkehr empfiehlt die ICC explizit FCA statt FOB — der Container wird typischerweise im Terminal, nicht an der Schiffsreling übergeben.
- 2
Kostenübergangspunkt definieren
Legen Sie fest, bis wohin der Verkäufer alle Kosten trägt. Bei EXW: ab Werk, sonst nichts. Bei FCA: bis zum benannten Übernahmepunkt im Exportland. Bei CIF: bis zum benannten Bestimmungshafen. Bei DDP: bis zum vereinbarten Lager des Käufers, inkl. Importzoll und EUSt.
- 3
Risikoübergangspunkt prüfen
Bei den C-Klauseln (CPT, CIP, CFR, CIF) trägt der Verkäufer zwar die Hauptlauf-Kosten, das Risiko geht aber bereits am Versandort über. Geht die Ware auf See verloren, hat der Käufer den Schaden — und der CIF-Verkäufer hat ohnehin nur eine Mindestversicherung organisiert.
- 4
Zollformalitäten zuweisen
Ausfuhrformalitäten: außer bei EXW vom Verkäufer zu erledigen. Einfuhrformalitäten: außer bei DDP vom Käufer. Bei DDP übernimmt der Verkäufer alles bis ins Lager des Käufers einschließlich Zoll, Antidumping und EUSt.
- 5
Versicherung gestalten
CIP verlangt seit 2020 Versicherung nach „All Risks" (Institute Cargo Clauses A), CIF nur die Mindestdeckung (Clauses C). Bei allen anderen Klauseln ist die Versicherung freiwillig — und muss daher vom Käufer aktiv beauftragt werden.
- 6
Klausel mit Ortsangabe vollständig formulieren
Eine Incoterm ist nur in Kombination mit der konkreten Ortsangabe wirksam: „FCA Hamburg CTA Terminal, Tor 4, Incoterms® 2020". Ohne Ort sind Streitigkeiten vorprogrammiert.
Beispielrechnungen
Container aus Shanghai nach Hamburg — FOB vs. CIF Vergleich
| Ware FOB Shanghai | 50.000,00 USD |
| Seefracht | 2.800,00 USD |
| Versicherung 0,3 % von CIF | 160,00 USD |
| Risikoübergang FOB | an Bord Shanghai |
| Risikoübergang CIF | an Bord Shanghai |
Rechnung: CIF-Angebot vom Lieferanten: 52.960 USD. Eigene Spedition für 2.700 USD + Versicherung 160 USD = 52.860 USD. Bei eigener Buchung Ersparnis von 100 USD + bessere Versicherung.
Empfehlung: FOB + eigene Spedition spart 100 USD und gibt Kontrolle.
Maschinenlieferung Deutschland → Türkei — DDP vs. DAP
| Warenwert | 120.000,00 € |
| Türkischer Einfuhrzoll | 2,7 % |
| Türkische KDV (EUSt) | 20 % |
| DDP-Aufschlag (Verzollung) | Verkäufer trägt |
| Lokaler Vertreter benötigt | ja |
Rechnung: Bei DDP muss der EU-Verkäufer als „registrierter Importeur" oder über lokalen Steuervertreter auftreten — administrativer Aufwand. DAP läßt die Importabgaben beim Käufer und ist organisatorisch deutlich einfacher.
Empfehlung: DAP bevorzugen, wenn Käufer im Bestimmungsland steuerlich registriert ist.
Häufige Fehler
FOB für Container verwendet
Die ICC weist seit 2010 explizit darauf hin, dass FOB für Containerverkehr ungeeignet ist. Bei FOB geht das Risiko an Bord über — Container werden aber Tage zuvor im Terminal übergeben. Während dieser Zeit ist unklar, wer den Schaden trägt. Empfehlung: FCA Terminal verwenden.
Ortsangabe fehlt oder ist mehrdeutig
„CIF Hamburg" ist mehrdeutig: Welcher Terminal? CTA, EUROGATE, Burchardkai? Bei Streitigkeiten gilt die für den Verkäufer günstigste Auslegung. Lösung: präzise benennen wie „CIF Hamburg, CTA Terminal".
DDP ohne Steuerregistrierung im Bestimmungsland
Bei DDP wird der Verkäufer als Importeur und damit umsatzsteuerpflichtig im Bestimmungsland. In vielen Ländern (z. B. UK seit Brexit, Türkei, USA für Sales Tax) bedeutet das eine Registrierung. Häufig sinnvoller: DAP + Käufer übernimmt Zollformalitäten.
CIF-Versicherung als ausreichend angesehen
CIF verpflichtet den Verkäufer nur zur Mindestversicherung nach ICC Clauses C. Diese deckt grobe Schäden, nicht aber Diebstahl, Beschädigung beim Be-/Entladen oder Wasserschäden im Container. Käufer sollten zusätzliche „Difference in Conditions"-Deckung kaufen.
Kosten- mit Risikoübergang verwechselt
Klassischer Fehler bei C-Klauseln. CIF Verkäufer trägt die Fracht bis Hamburg, das Risiko endet jedoch bereits beim Verladen in Shanghai. Geht ein Container über Bord, hat der CIF-Käufer ein Versicherungsproblem — nicht der Verkäufer.
Rechtliche Grundlagen
- Quelle ansehen ↗
ICC — Incoterms® 2020 Rules
Originalpublikation der International Chamber of Commerce.
- Quelle ansehen ↗
CISG — UN-Kaufrecht — ergänzende Anwendung
Subsidiär anwendbar, wo Incoterms schweigen.
- Quelle ansehen ↗
IHK München — Leitfaden Incoterms 2020
Praxis-Handreichung mit Vertragsmustern.
Wichtige Begriffe
Häufige Fragen
Was hat sich gegenüber Incoterms 2010 geändert?
Vier wesentliche Änderungen: (1) DAT wurde in DPU umbenannt — Lieferung „unloaded" am Bestimmungsort. (2) CIP verlangt jetzt All-Risk-Versicherung statt nur Clauses C. (3) FCA wurde um eine Onboard-Bestätigung erweitert (für Akkreditive). (4) Klauseln berücksichtigen jetzt Eigenfahrt der Beteiligten und nicht nur fremde Spediteure.
Welche Incoterm ist die häufigste im Deutschland-Import aus China?
Im Standardgeschäft FOB Shanghai/Ningbo (Käufer organisiert Spedition) und CIF Hamburg (Lieferant organisiert alles bis zum EU-Hafen). FCA verbreitet sich zunehmend für Containerverkehr.
Sind Incoterms gesetzliche Vorschriften?
Nein. Incoterms sind privatrechtliche Standardklauseln, die nur durch Vereinbarung im Kaufvertrag Bestandteil des Schuldverhältnisses werden. Ohne Verweis im Vertrag gelten sie nicht.
Können Incoterms im Innereuropäischen Handel verwendet werden?
Ja, sie sind nicht auf Außenhandel beschränkt. Allerdings entfallen im EU-Binnenmarkt die Zollformalitäten, so dass FCA, CPT, CIP und DAP die in Europa praktischen Optionen sind.
Wer trägt die THC (Terminal Handling Charges)?
Die ICC empfiehlt seit 2020 explizit, THC im Vertrag separat zu regeln. Praktisch werden THC bei FCA vom Käufer, bei CIF/CFR meist vom Verkäufer am Versandhafen getragen, am Bestimmungshafen jedoch vom Käufer.
Kann ich Incoterms abändern?
Ja, Abweichungen sind möglich („CIF Hamburg with insurance ICC A", „DDP Berlin excluding VAT"). Vorsicht: Die Klausel verliert dann ihre Standardwirkung und die ICC empfiehlt, das genaue Abweichungsmuster zu beschreiben.
Welche Incoterm sollte ich als Erstexporteur wählen?
Empfehlung für deutsche Erstexporteure: FCA Ihr Werk oder FCA nächster Containerterminal. Sie haften nur bis dahin, der ausländische Kunde organisiert den Rest. Geringes Risiko, klare Verantwortung, einfache Abwicklung.
Welche Klauseln sind für Containerverkehr geeignet?
Die ICC empfiehlt für internationale Containerlieferungen ausschließlich FCA, CPT, CIP, DAP und DPU. Nicht geeignet sind FAS, FOB, CFR und CIF — diese vier Klauseln basieren auf der Übergabe „an Bord" oder „Längsseite Schiff", was bei Containern logisch und praktisch problematisch ist, da der Container Tage vor der Verladung im Terminal übergeben wird. Quelle: Prof. Dr. Burghard Piltz, Deutsche Gesellschaft für Transportrecht.
Welche Gruppe trägt welche Verantwortung?
E-Klausel (EXW): minimaler Verkäuferaufwand, Käufer macht alles. F-Klauseln (FCA, FAS, FOB): Käufer organisiert Hauptlauf. C-Klauseln (CFR, CIF, CPT, CIP): Verkäufer organisiert und bezahlt Hauptlauf, Risiko geht aber bereits am Versandort über. D-Klauseln (DAP, DPU, DDP): Verkäufer trägt volle Verantwortung bis zum Bestimmungsort.
Stand: 18. Mai 2026 · Redaktion aussenhandelshub.de